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Eine bewegte Geschichte

Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Magdeburg ein großer Chemiekomplex unter dem Namen „Saccharin-Fabrik, Aktiengesellschaft, vorm. Fahlberg,List & Co.“. Es wurden neben dem im Firmennamen angegebenen Produkt Saccharin vor allem Pharmazeutika und Pflanzenschutzmittel hergestellt.
 
Bereits während des zweiten Weltkrieges wurden Produktionsanlagen in Niederlassungen verlagert, u.a. auch in ein Zweigwerk nach Wolfenbüttel, welches nach Kriegsende zunächst unter „Dr. Goeze & Co. GmbH“ firmierte. Ab 1950 wurden dort unter der Firmenbezeichnung „Fahlberg-List, chemische Werke GmbH“ vor allem Pflanzenschutzmittel gegen Kartoffelschädlinge hergestellt. Dieses Werk existierte nach dem Krieg als Eigentum der „Fahlberg-List AG“ weiter, während Fahlberg-List in Magdeburg per Befehl der sowjetischen Militäradministration im Oktober 1945 beschlagnahmt wurde.
 
(Der „VEB Fahlberg-List“ existierte bis einige Jahre nach der Wiedervereinigung an gleichem Ort in Magdeburg, einige Betriebsteile wurden dann von Hexal übernommen)
 
Kurz nach der Gründung erkannte die Geschäftsführung der „Fahlberg-List chemische Werke GmbH“ in Wolfenbüttel (Christian Koch, Dr. Günther Goeze) den enormen Bedarf an Farben und Lacken. Der Aufbau der Abteilung „Spezial-Lacke“ erfolgte in der zweiten Hälfte der 50er Jahre. 1959 wurde die Leitung dieser Abteilung Hans-Reiner Brüche übergeben, dem Vater unseres heutigen Geschäftsführers Jörg Brüche.
 
In den 60er Jahren wurden unter den Markennamen „Falima“ (= Fahlberg-List, Mageburg), „Pefalon“ und „Leukolin“ hochwertige Industrielacke für die Mühlenindustrie, den Silo- und Behälterbau und für die Serienbeschichtung von Asbestzement-Baustoffen hergestellt.
 
1969 wollten sich Geschäftsführung und Eigentümer aus dem aktiven Geschäft zurückziehen und verkauften das Unternehmen an die Ciba-Geigi-Gruppe, Basel. Die Abteilung Spezial-Lacke wurde jedoch nicht veräußert, sondern mit dem Namen „Teleplast GmbH & Co. KG“ unter Beteiligung des Managements und einiger ehemaliger Gesellschafter der Fahlberg-List GmbH als eigenständiges Unternehmen weitergeführt (heute nennt man das Verfahren wohl Neudeutsch „Management-Buy-Out“).
 
Unter der Geschäftsführung von Ingeborg Schulze und Hans-Reiner Brüche wurde das Geschäft mit der Baustoffindustrie (Faserzementerzeugnisse), der kunststoff-verarbeitenden Industrie und der Fertighausindustrie ausgebaut. Die Kontakte zur Fertighausindustrie führten Anfang der 70er Jahre zur Entwicklung des Produktes „Teleplan-Platte“. Zur Herstellung dieser großformatigen Dämmstoffplatte wurde 1975 das Werk in Braunschweig-Gliesmarode aufgebaut.
 

Bis 1993 wurde an zwei Standorten (Lacke in Wolfenbüttel, Fertighausprodukte in Braunschweig) produziert. Mit dem Verkauf des Geländes in Wolfenbüttel zum 1.1.1994 konnten beide Betriebsteile in Braunschweig zusammengelegt werden. Der Verkaufserlös für das Grundstück in Wolfenbüttel wurde vollständig reinvestiert, so dass ein sehr modernes Werk für die Lackproduktion entstand.
 
Zeitgleich zogen sich Ingeborg Schulze und Hans-Reiner Brüche aus der Geschäftsführung zurück und übergaben die Verantwortung an Jörg Brüche.
 
In den folgenden 3 Jahrzehnten wurden neben Systemlösungen für mineralisch- oder kunstharzgebundene Faserbaustoffe und Fassadendämmlösungen für die Fertighausindustrie (System Teleplan) auch Lacke für den Oberflächenschutz von Betonwaren, Holz- und Möbellacke sowie diverse Sonderlösungen für Kunststoffuntergründe hergestellt.
 
Zum 01.01.2022 verkauften die Gesellschafter der Teleplast das Geschäft in Form eines Asset-Deals an die Lankwitzer Lackfabrik GmbH aus Berlin. Die Lankwitzer Lackfabrik verlagerte in den Jahren 2022 und 2023 die Produktion der lösemittelhaltigen Lacke an den Standort Berlin und die aller wasserbasierten und UV-Lacke an den Standort Osterwieck und somit wurde die Lackproduktion in Braunschweig vollständig eingestellt.
 
Die Immobilie an der Petzvalstraße 37 verblieb im Eigentum der Teleplast, alle Gebäude wurden saniert und zur Vermietung und Verpachtung angeboten. Heute wird die Immobile in Form eines Gewerbeparks von folgenden Mietern genutzt:

  • Alstom Deutschland GmbH
  • Baustoff Brandes GmbH
  • EWE Netz GmbH
  • NordicBau GmbH
  • Picnic Deutschland GmbH
  • T-Bau GmbH
  • Teleplast GmbH & Co. KG